Ich stehe mit Snack in einem Feinkostanbieter

Neu in Erfurt: eat the world!

Was soll ich essen? Die Welt? Ach ne, Erfurt reicht schon aus. Eat the world – kulinarische Stadtführungen gibt es seit März auch in Erfurt und ich habe mich sehr darüber gefreut, dass mich das ursprünglich aus Berlin stammende Team eingeladen hat, diese neue Tour zu testen!

 

Eat the world – worum geht´s?

Die Idee ist so einfach wie genial – verbunden wird eine Stadtführung mit kulinarischen Highlights aus den Gassen und Winkeln eines Stadtviertels, in das sich ein Tourist vielleicht nicht so häufig verläuft. In Erfurt führt die erste Tour durch das Andreasviertel, Treffpunkt ist an der Andreaskirche in der Nähe vom Domplatz.

Um genau diesen wird jedoch einen großen Bogen gemacht, denn man möchte ja ein paar Geheimtipps kennen lernen! So gaaaanz lassen sich die Touristen-Spots nicht umgehen, aber dazu später mehr 😉

Krämerbrücke Erfurt

Drei Stunden ist so eine kulinarische Stadtführung angesetzt, mit sieben Restaurants/Cafés/Pubs inkl. kleinen Köstlichkeiten bei jedem Halt. Ein magenfüllendes Programm? Ja, aber gleichzeitig wird ja auch viel gelaufen, das gleicht sich gut aus 🙂

 

Eat the world Erfurt – Andreasviertel-Tour

Die Stadtführung durch Erfurt

Ich war wirklich gespannt, wie viel Zeit zum Erzählen bleibt, wenn doch an sieben Stationen gegessen wird! Unser Tourguide Roland Schmidt hat das wirklich ausgezeichnet gemacht! Ich habe schon an mehreren Stadtführungen durch Erfurt teilgenommen, aber bei dieser ist das Meiste hängen geblieben.

Roland Schmidt erzählt vom Waid

Er selbst hat die Tour und die Geschichten, die er erzählt ausgearbeitet. Das merkt man auch. Er ist mit Herzblut bei der Sache, dabei aber nicht zu Ernst, sondern super locker und auf einer Augenhöhe mit den Teilnehmern.

Die kamen bei unserer Tour übrigens aus ganz Deutschland, waren teils das erste Mal, teils aber auch zum wiederholten Mal in Erfurt. Wir waren die einzigen Erfurter 🙂 Und obwohl ich, wie gesagt, eigentlich schon viel über Erfurt weiß, habe ich gerade über das Andreasviertel einiges Neues gelernt! Und mich natürlich auch von diesem wunderschönen Stadtteil begeistern lassen, der so viele wunderschöne Gassen und niedliche Häuser hat.

Häuser im Andreasviertel

Andreasviertel Erfurt

Was wäre eine Stadtführung ohne Herzblut-Erfurter

Was ich damit meine? Mindestens zwei herzallerliebste Situationen, die für mich gezeigt haben, was Erfurt so ausmacht.

Vor der Andreaskirche – gerade wollen wir die Tour beginnen, kommt eine leicht voll bepackte Dame dazu. 

Jahaaaa ich bin ja schon dahaaaa, musste nur noch was erledigen, ich schließe sofort auf! Nein nein, bleiben Sie ruhig stehen, ich muss nur schnell da hinten rein gehen, ich mache Ihnen diese Tür da auf! Bleiben Sie schön da, sonst verpassen Sie noch unseren Luther!

Keine Chance, wir sind nicht so schnell weg gekommen, wie die Tür auch schon aufflog und den ersten Gästen ein paar Details zur Kirche erklärt wurde. Wir mussten versprechen, dass wir nach der Tour wieder kommen, denn geplant war das ja nicht 🙂

Im Andreasviertel, Weisse Gasse 15, hat Herr Schmidt die Gelegenheit vor einem dunkelgrünen Haus genutzt, um die Zeit der DDR in Erfurt und den damit einhergegangenen Fast-Abriss des Viertels zu erklären (super interessant!). Plötzlich geht die Tür auf, ein Herr mit Postkarten kommt heraus und bietet sich an, einfach selbst etwas über sein Haus zu erzählen.

Ich halte eine Postkarte vor das echte Haus

Herr Hertel erklärt von seinem Haus

Wie er es gekauft und hergerichtet hat, wie ihn alle für verrückt erklärt haben, wie er die DDR und die Wende erlebt hat, was die Schwierigkeiten waren. Herr Hertel verteilt seine Postkarten, wer möchte kann gern auch noch einmal vorbei kommen. Von so viel spontaner Gastfreundschaft war sogar unser Tourguide überrascht! 

Schon gewusst? Das ist Erfurt!

Du solltest an der Stadtführung teilnehmen, wenn du schon immer mal wissen wolltest

  • wie das Andreasviertel eigentlich entstanden ist
  • und wie es gerettet wurde
  • welches Gebäude mal eine Bonbonfabrik beherbergte
  • wie Erfurt die älteste und zugleich jüngste Uni-Stadt Deutschlands sein kann
  • woher das Stadtwappen kommt
  • wie Erfurt zur Blumenstadt geworden ist
  • warum Erfurt so reich war und was die Farbe blau damit zu tun hatte
  • woher die Redewendung „blau machen“ kommt (und was Urin damit zu tun hat)
  • woher die Redewendung „die Kurve kratzen“ kommt

Schmale Gasse in der Altstadt

Das Augustinerkloster von außen

 

Die kulinarische Seite der eat the world Stadtführung

Am allerliebsten würde ich euch jetzt alle Restaurants / Cafés / Pubs / Bistros aufzählen und erzählen, was für wundervolle Kleinigkeiten wir kosten durften. ABER ich möchte euch ja nicht die Überraschung verderben, denn die soll auf jeden Fall dabei sein!

Deswegen verrate ich an dieser Stelle nur, dass wirklich von allem etwas dabei ist. Dass die Gerichte herzhaft und süß waren sowie warm und kalt. Das super viel selbst gekocht, geschmiert, gerührt, gestrichen und gebacken wurde. Und ich selbst als Erfurter noch neue Lokale ausprobieren konnte!

Natürlich es gibt trotzdem ein paar Bilder und jeder darf raten, wo das wohl so sein könnte 😉

selbstgemachte Dips mit Baguette

Zwei Sorten Pralinen auf einer Schiefertafel

Süßer Nachtisch auf einer Kaffeetafel

Tipp – so schmeckt Erfurt!

Weil alle Gastgeber auch die Chance hatten, ihre eigenen spannenden Geschichten zu erzählen (und wir viel Spaß damit hatten), habe ich ein paar Tipps wie Erfurt quasi so schmeckt 🙂 Du solltest unbedingt bei eat the world in Erfurt mitmachen, wenn du wissen möchtest:

  • wer mit Ei sein bestes Geschäft macht
  • wo es den ganzen Tag (!) Frühstück gibt
  • was slow food ist
  • was Heichelheim als kulinarische Zeitreise zu bieten hat
  • was eine Fahne mit frischem Brot zu tun hat
  • warum ein Sattler Tragetaschen herstellt
  • wieso ein Grafiker Schokolatier wurde
  • wie Cappuccino vom Barristomeister schmeckt
  • wo es den besten Lemon Curd der Stadt gibt (auch zum mitnehmen!)
  • wo man einen Kochkurs in russischen Nationalspeisen belegen kann (gern auch mit Kindern)
  • welches Café immer noch so urig ist wie 1912

Eine Fahne hängt vor einem Laden

Beschriebene Tafel an einem Haus

Das Paar des Restaurants

 

Mein Fazit zu eat the world in Erfurt

Machen! Selten hatte ich so viel Spaß während einer Stadtführung. Die Runde ist von Beginn an aufgelockert und im Durchschnitt auch jünger, als bei einer klassischen Stadtführung. Ich finde es so oder so total klasse, wenn man nicht nur Fakten erfährt, sondern sich auch mit echten Einheimischen / Zeitzeugen spontan oder auch geplant austauschen kann und eat the world bietet dafür die perfekte Voraussetzung!

Ja, selbst als Erfurter habe ich Neues über die Stadt und „die Locals“ kennen gelernt! Ab sofort gibt es ein paar neue Anlaufpunkte für leckeres Frühstück, gesellige Abende und kulinarische Geschenkideen (auch von mir für mich).

 

Die wichtigsten Infos zu eat the world

eat the world = kulinarische Stadtführung

Dauer: 3 Stunden (mind.)

Stationen: 7 Restaurants / Cafés / Pubs / Imbiss mit herzhaften und süßen Kostproben

Teilnehmer: max 16 Personen

Für: Paare, Familien, Freunde, Rentner, … eigentlich alle, die Lust haben, in lockerer Atmosphäre eine Stadt anders zu entdecken. Die Tour ist nicht für Rollstühle geeignet, auch mit Kinderwagen kann es in manchen Lokalen sehr eng werden bzw. manche Strecken lassen sich schlecht fahren.

Preis: 33 € Erwachsener, Kostproben inklusive, Getränke werden selbst gezahlt

In Erfurt: Freitag und Samstag jeweils 13 Uhr

Mehr Informationen und Buchung unter www.eat-the-world.com

 

Stadtführer – Tourguides gesucht!

Ihr lieben Erfurter – im Moment bestreitet Herr Schmidt die eat the world Erfurt Tour noch allein – er sucht jedoch Verstärkung! Wenn ihr also Interesse habt, selbst Touristen und Einheimische durch Erfurts Gassen und Lokale zu führen, dann meldet euch doch bei eat the world!

6 Kommentare zu “Neu in Erfurt: eat the world!

  1. Katrin

    Hallo Julie.

    Kannst du mir vielleicht bitte kurz sagen, wo es den besten Lemon Curd der Stadt gibt? Ich bin gerade verzweifelt auf der Suche danach und werde in den regulären Supermärkten nicht fündig.

    Danke!

    Antworten

    1. Julie

      Hallo Katrin,
      du kannst im Füchsen in der Hütergasse 13 Lemon Curd kaufen, sie stellen das selbst her.
      Ich weiß allerdings nicht genau, ob es ggf. ein Saisonprodukt ist, oder ob sie es ganzjährig herstellen. Einfach mal nachfragen.

      Liebe Grüße!
      Julia

      Antworten

  2. Sandra

    wow super Artikel und Fotos. Ich kenn das noch ueberhaupt nicht, toll was die anbieten. Hab ich gleich Lust dran teilzunehmen. Danke fuers teilen. Ist immer wieder schoen was ueber die Heimat zu lesen, gleich wieder Heimweh 😕 schon wirklich eine tolle Stadt. Bin da gern ne Erfurter Puffbohne.

    Antworten

    1. Julie

      Lieben Dank Sandra! 🙂
      Es hat wirklich viel Spaß gemacht – vielleicht kannst du ja bei deinem nächsten Besuch in Erfurt mal teilnehmen. Oder in einer anderen Stadt in Deutschland. Liebe Grüße aus Erfurt!

      Antworten

  3. Jens Fritsche

    Hallo Julia,

    vielen Dank für Deinen tollen Bericht.
    Wir 4 aus Berlin waren am Samstag dabei und haben es auch sehr genossen. Einige der kulinarischen Höhepunkte suchten wir noch am gleichen Abend erneut auf…

    Erfurt – wir kommen wieder.

    Unbedingt besuchen: Faustfood -> Das moderne, rot und mit Holzbalken designte Grilllokal bietet u.a. die echte (und sehr leckere) Thüringer Rostbratwurst. Mit offenem Inhouse-Holzkohle-Grill. 🙂
    (Adresse: Waagegasse 1)

    Vielleicht auf bald & alles Gute.

    Jens

    Antworten

    1. Julie

      Hallo Jens, danke für deinen Besuch auf meinem Blog! 🙂
      Schön, dass es euch auch gut gefallen hat! Faustfood ist ein super Tipp – da will ich schon lange mal hin, hab es aber irgendwie noch nie gemacht 😀 Hoffentlich schaffe ich das bald mal…

      Ich hoffe, ihr hattet noch eine gute Zeit in Erfurt und vielleicht bis bald 🙂
      Lieben Gruß an die ganze Truppe!
      Julia

      Antworten

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