Im Bett mit Luther in Eisenach

Im Bett mit Luther aka. Ist das Kunst oder kann das weg?

Über Geschmack lässt sich streiten – oder doch nicht? Wie war das nochmal? Und was ist mit der Kunst? Ich habe am Wochenende ein Kunstprojekt mit Martin Luther in Eisenach entdeckt, was mich zum grübeln gebracht hat…

Ist das Kunst oder kann das weg?

Schon gewusst? 2017 ist Lutherjahr! In Thüringen wird sich schon 10 Jahre (!) darauf vorbereitet. Eine Luther-Dekade wurde ausgerufen und sich jedes Jahr mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten mit Martin Luther beschäftigt.

Auch Eisenach bereitet sich auf das große Lutherjahr 2017 vor und ist gerade mit einem Kunstprojekt in aller Munde: „Im Bett mit Luther“. Ja, richtig gelesen – auf dem Karlsplatz in der Wartburgstadt kann man mit Martin Luther quasi ins Bett steigen.

Wie im Märchen – ein Haus auf Hühnerbeinen

Im Bett mit Luther - das rosa Haus in Eisenach

Wer in Eisenach aufgewachsen ist, kennt garantiert die Geschichte der Hexe Babajaga. Sie lebt in einem Haus, dass auf Hühnerbeinen läuft. Ein ähnliches Model wurde auf dem Karlsplatz in Eisenach rund um die Luther-Statue gebaut.

Das sieht im ersten Moment sehr nach Baustelle aus – statt Hühnerbeinen gibt es ein Baugerüst. Schaut man nach oben blickt man allerdings auf ein rosa Häuschen. Ja wohnt da jetzt eine Hexe, die kleine Mädchen anlocken soll? Nein, da wohnt jetzt Martin Luther!

Im Bett mit Luther

Genau genommen ist es sogar Luthers Schlafzimmer, dass hier auf Stelzen gesetzt wurde. Man kann ihn kostenfrei besuchen und ihm fast auf Augenhöhe begegnen, während er mitten im Bett steht.

Das Zimmer ist sehr modern eingerichtet – Klingel und Briefkasten, Ikea Bett, aktuelle Schmöker im Regal, lustige Sprüche an den Wänden. Eine Spendenbox gibt es natürlich auch und einen netten Herren, der einiges über Luther erzählen kann.

Und wer hat´s erfunden? Genau, die Japaner! Und zwar der japanischen Künstler, der laut dpa international bekannt ist für seine begehbaren Installationen ist.

Das 76.000 € Schlafzimmer

Luther im Bett, Kunstinstallation Eisenach

Die dpa hat veröffentlicht:

„Die Aktion im Vorfeld des 500. Jahrestages der Reformation kann nach Angaben der Initiatoren bis zum 17. Dezember besucht werden. Sie wird zur Hälfte aus dem Bundesetat „Reformation und die Eine Welt“ finanziert. Die andere Hälfte geben Geschäftsleute, Tourismusamt, Kirche und Stiftungen.“

Wie viel das ist, hat die Thüringer Allgemeine veröffentlicht – rund 76.000 € hat das Projekt gekostet, das für zwei Monate besichtigt werden kann.

Laut TA haben die Oberbürgermeisterin Katja Wolf sowie der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow bei der Eröffnung erklärt, dass man Luther und das Reformationsjahr mit diesem ungewöhnlichen Kunstprojekt mehr ins Gespräch und Martin auch etwas menschlicher machen will. Die Menschen sollen nicht mehr unachtsam an ihm vorbei gehen, sondern über ihn und sein Werk diskutieren und ihn auch genauer betrachten können.

 

„Luther im Bett“ – Kann das jetzt weg oder nicht?

Ich kann mich einfach nicht entscheiden! Normalerweise finde ich es toll, wenn auf so moderne Art und Weise ein staubtrockenes Thema aufgewertet und ins Gespräch gebracht wird.

Aber für mich sieht diese Installation von außen total affig aus! 😀 Und ich werde einfach nicht darüber fertig, dass man 76.000 Euro für zwei Monate ausgibt! Zwei Monate! Das sind 63 Tage. Das macht 1.206,35 € pro Tag! Klar war Eisenach damit jetzt in vielen Medien, aber bis das Lutherjahr beginnt, ist das doch alles wieder verpufft.

Warum hat man das denn nicht Anfang 2017 aufgebaut? Im Frühjahr, wenn draußen alles erwacht und die ersten Gäste zum Jubiläumsjahr nach Eisenach kommen? Um einen zusätzlichen außergewöhnlichen Anreiz zu den „normalen“ Ausstellungen und Veranstaltungen zu schaffen.

Der Stadtführer kann nächstes Jahr sagen: „Und hier stand letztes Jahr eine total moderne Installation vom berühmten Künstler Tatzu Nishi.“ – und hält dann seine Fotos hoch, als ob das Ganze schon hundert Jahre her ist.

Mich ärgert das irgendwie. Und meine Oma hat das ausgesprochen, was ich gedacht habe: Mit dem Geld hätte man auch ziemlich vielen Schülern ein Mittagessen spendieren können. Klar sind das zwei völlig unterschiedliche Geldtöpfe, man darf Äpfel nicht mit Birnen vergleichen.

Und trotzdem kommt mir der Vergleich immer wieder…

Was denkst du?

Hast du die Installation auch schon entdeckt und besichtigt? Findest du das cool oder ist das quatsch? Macht so etwas jetzt schon Sinn oder ist das ein Geld-zum-Schlafzimmerfenster-Rauswurf?

Ich bin sehr gespannt auf deine Meinung! 🙂

Liebe Grüße, Julia

 

PS: Ich entschuldige mich für die Bildqualität! Die sind diesmal wirklich nicht der Hit geworden 😉 Wer ein paar schöne Motive sehen möchte, auf denen auch mehr zu sehen ist, der googelt einfach mal „Im Bett mit Luther“.

 

4 Kommentare zu “Im Bett mit Luther aka. Ist das Kunst oder kann das weg?

  1. Anna Meyer

    Ich weiß noch wie jemand im Dezember 2013 für Aufruhr gesorgt hat, als dem Herrn Luther über Nacht ein riesiger gestrickter Schal umgelegt wurde.
    Das ging ja gar nicht, der Herr Luther ist ein ernstzunehmender Mann, ist ja ganz nett mit dem Schal, aber jetzt kommt er wieder weg…Spaß vorbei.
    Brachte auch mehr Aufmerksamkeit und machte Luther menschlicher, war sehr sympathisch und sah bei weitem nicht so dämlich aus.

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    1. Julie

      Hi Anna, ach das habe ich gar nicht mitbekommen! Na dann hat man sich wahrscheinlich gedacht: Wenn, dann richtig! 😀
      Danke für deinen Kommentar 🙂

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  2. Jessika

    Puuhh….. also erst einmal danke für den Hinweis 😀 Hätte ich das schon eher gewusst, wäre ich Samstag direkt mal hin, da war ich nämlich in der Eisenacher Innenstadt.

    Mein erster Gedanke war: Man, sieht das doof aus… also so richtig doof. Unter einer Kunst-Installation stelle ich mir etwas ganz anderes vor – aber gut, ich hab da auch nicht so viel Ahnung von 😉 Die beiden Ziele „Mehr Aufmerksamkeit“ „Luther menschlicher machen“ wurden sicherlich erreicht. Aber ob das die Aktion automatisch zu einem Erfolg macht, bezweifle ich. Deine Anmerkung, den falschen Zeitpunkt gewählt zu haben, finde ich absolut richtig. Das hätte man echt auf das Lutherjahr legen können… Aber uns fragt ja keiner 😀

    Liebe Grüße,
    Jessi

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    1. Julie

      Hi Jessi, vielleicht klappt es ja noch. Ich bin gespannt, wie es dir gefällt.
      Danke für deinen Kommentar! 🙂

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