Interview: 18 Jahre Auerworld Festival – das Kleine wird volljährig

Beim Auerworld Festival im Weidenrutenpalast Auerstedt (29.-31.07.2016) bin ich in diesem Jahr zum vierten Mal dabei. Was mich so daran reizt? Die heimelige Atmosphäre und liebevolle Gestaltung!

Dieses Jahr wird das Festival quasi Erwachsen – es feiert seinen 18. Geburtstag! Ein toller Anlass, um mal genauer nach dem Drum und Dran zu fragen! Ich habe Tina, die sich um Öffentlichkeits- und Pressearbeit des Auerworld Vereins kümmert, virtuell getroffen:

18 Jahre Auerworld Festival

Liebe Tina, herzlichen Glückwunsch zum 18. Geburtstag! Ich gratuliere dir einfach mal stellvertretend für das ganze Team! 😀

Wenn ein Kind volljährig wird, ist das ja ein ganz besonderes Ereignis!
Gibt es denn dieses Jahr ein besonderes Geschenk, dass ihr euch zum 18-jährigen macht?

Wir versuchen sogar jedes Jahr, dass wir einmal zusammenkommen und gemeinsam anstoßen. Diese Momente sind für uns immer ganz besonders. Wir haben noch einmal ein letztes Meeting, bevor es offiziell losgeht und jeder mit seinem Arbeitsbereich zu tun hat. Doch in diesem Jahr steht fest auf der Tagesordnung, dass wir uns Samstagnacht 12 Uhr an der Bar treffen. Und zwar alle zusammen. Es bleibt abzuwarten, wie sich das realisieren lässt!

Und wenn du auf die 18 Jahre zurück blickst – gibt es ein ganz besonderes Highlight?

Jedes Jahr ist so anders. Ein einziges Highlight gibt es dabei nicht. Und wenn Du 40 Leute fragst, so bekommst Du vermutlich 30 Antworten. Ich selbst kann nicht mal angeben, welches mein Highlight aus all der Zeit wäre, die ich nun dabei bin.

Oh warte, ich habe was: Wir haben vor 3 oder 4 Jahren angefangen, dass wir nicht gleich Sonntag alles wieder abbauen, sondern einmal eine Pause machen und uns und die Künstler*innen, Ständebetreiber*innen und Workshop-Leiter*innen feiern. Das passiert seitdem regelmäßig am Sonntagabend und ist einfach nur herrlich. Dann tanzen wir und freuen uns, dass alles geklappt hat.

Mal ganz zurück an den Anfang – welche Erinnerungen hast du an das erste Auerworld? Wie wurde es geboren?

Ich war leider nicht dabei. Aber soweit ich weiß ist es in den drei Wochen vor Vollmond im Jahr 1998 entstanden. Der Architekt Marcel Kalberer erschuf mit 300 Freiwilligen aus aller Welt den Weidenrutenpalast und man feierte die Arbeit im Freien. Und so wuchs dieses Event Stück für Stück und entwickelte sich zu dem, was es heute ist: dem Auerworld Festival.

Das Besondere am Auerworld ist ja nicht nur die familiäre Atmosphäre, sondern auch das familiäre Team. Ich habe gelesen, dass ihr schon in die dritte Generation geht. Erzählt doch mal, wie das Orga-Team entstanden und gewachsen ist.

Das verrückte ist, dass es in vielen Fällen wirklich Freunde sind, die zusammenkommen und organisieren. Und wer vorher kein Freund der anderen war, so ist er es jetzt. Ich selbst habe den Weg über eine Freundin und meinen Bruder zum Festival gefunden. Und so ist es weiter gewachsen. Jeder bringt seinen Partner oder seine Partnerin mit dazu, animiert Freunde oder Bekannte und wer einmal dabei ist, der kommt auch gern wieder.

Leider merken wir seit geraumer Zeit, dass der Zulauf an neuen Leuten geringer wird und wir „alten Hasen“ nicht alles allein stemmen können. Wir verändern uns in unseren privaten Strukturen und uns fehlt die nächste Generation, die schon so alt ist, dass sie dabei mithelfen kann. Kinder bekommt der Verein genug, aber bis die mit anpacken können, dauert es ja noch eine Weile 😉

Wer sich in das Auerworld verliebt hat, kann also gern mit gestalten, vorbereiten und anpacken – tritt man dafür einfach dem Verein bei? Und sucht ihr vielleicht sogar ganz konkrete Unterstützer?

Bei uns kann jeder mitmachen. Im letzten Jahr zum Beispiel kamen ein paar Helfer*innen im Anschluss auf uns zu und meinten, sie möchten gern mehr von uns kennenlernen und dabei sein. Und so kamen sie zum Nachtreffen, zum Vorbereitungstreffen und packen auch in diesem Jahr nicht nur selbst mit an, sondern bringen noch andere mit.

Und das ist so wertvoll zu beobachten. Das zeigt uns auch immer wieder, dass es Engagement gibt und wir das so gern machen. Wer also Interesse hat, der soll sich einfach an uns wenden und wir lernen uns persönlich kennen. Mit-Organisatoren werden auf jeden Fall gesucht.

Die Finanzierung ist ja jedes Jahr wieder eine Herausforderung. In den letzten Jahren habt ihr mit Crowdfunding gearbeitet. Wie sind eure Erfahrungen dazu und welche Pläne habt ihr für die Zukunft?

Die Umstellung auf Crowdfunding kam auch aufgrund der Änderungen in den Privatleben vieler Vereinsmitglieder*innen. Wenn man noch mitten im Studium steckt, ist so ein Engagement einfacher zu realisieren, als wenn man selbständig arbeitet, eine Familie gründet oder gerade seine Abschlussarbeit schreibt. Aus dem Grund sind wir von Förderanträgen auf Crowdfunding umgestiegen und bangen jedes Jahr darum, dass die benötigte Gesamtsumme zusammenkommt.

In diesem Jahr zum Beispiel haben wir die Finanzierungsphase von 4 auf 6 Wochen verlängert und dachten, dass es somit schneller klar wird, ob es ein Festival geben wird oder nicht. Und da haben wir uns getäuscht. Es war auch hier wieder eine Punktlandung in letzter Minute und dem einen oder anderen von uns sind graue Haare gewachsen bei so viel Anspannung. Bis jetzt haben wir aber keine weiteren Pläne für die Zukunft geschmiedet. Wir arbeiten stets von Festival zu Festival und im Moment kann man noch nicht über den Juli hinaus denken. Jetzt liegt der Fokus ganz bewusst auf diesem einen Wochenende, der Rest danach zählt noch nicht bzw. ist nicht greifbar.

Mit den Jahren entwickelt man sich immer weiter und wächst an seinen Aufgaben – das geht sicherlich auch einem Festival so. Was waren oder sind denn die größten Herausforderungen, abgesehen von der Finanzierung?

Eine große Herausforderung ist in jedem Jahr die Vereinbarkeit der Festival-Organisation als Ehrenamtliche*r mit dem Arbeits- und Privatleben. Es benötigt viel Zeit so ein Wochenende auf die Beine zu stellen und jeder von uns arbeitet bis zur letzten Minute, nämlich der Eröffnung des Festivals am Freitag um 16 Uhr, auf Hochtouren. Und auch darüber hinaus sind wir stets im Arbeitsmodus. Und wenn dann noch unvorhergesehene Dinge eintreten, wird der Plan einmal komplett umgeworfen. So war es, als der Sturm vor ein paar Jahren das Festival vorzeitig beendete, die Stimmung trübte und die Aufräumarbeiten sich in die Länge zogen. Das möchten wir so nicht noch einmal erleben, das steht fest.

Beim Auerworld geht es nicht nur um Musik. Eigentlich ist es ja ein ganz alternativer Lebensstil, der an diesem Wochenende rund um den Weidenrutenpalast in Auerstedt ausgerufen wird: es gibt Führungen und Workshops, eine Hörspielwiese, Klappfahrad-Verleih, Linoldruck, Kunstprojekte und vieles mehr. Woher nehmt ihr die Inspirationen, für all diese tollen Projekte?

Das ist eine gute Frage. Das kommt wohl einerseits auch als Input von unseren Gästen und anderen, die von uns gehört haben. Aber darüber hinaus sind wir wirklich so unterschiedlich in unseren Persönlichkeiten, Berufswegen und wohnen darüber hinaus in der ganzen Bundesrepublik verteilt, sodass jeder eine andere Idee mitbringt.

Und woher stammen all die Künstler, Kreativen und Bands, die das Festival so vielseitig machen?

In einem Jahr kamen sie sogar europaweit zu uns. In diesem Jahr zum Beispiel wird der Fokus wieder mehr auf das unmittelbare Umfeld gelegt. Wir möchten lokale Produkte, Kunst- und Kulturschaffende fördern und der Region um den Weidenrutenpalast somit zeigen, was es dort so alles zu bieten gibt.

Gibt es beim diesjährigen Auerworld etwas völlig Neues im Programm?

Ja, das auf jeden Fall. Aber das bleibt noch hinter verschlossenen Türen, sonst wäre es ja keine Überraschung mehr. 😉

Vorfreude, Anspannung und dann ist alles so schnell vorbei – was ist denn der schönste Moment zum Festival?

Loslassen zu können von der Arbeit und es einfach zu genießen. Das fällt total schwer und ich nehme es mir jedes Jahr aufs Neue vor. Drück mir die Daumen, dass es dieses Mal klappt.

Welcher ist denn dein ganz persönlicher Lieblingsplatz auf dem Festival?

Der Ort, an dem ich dieses Jahr entspannen und mal durchatmen kann. Wo das sein wird, weiß ich noch nicht. Frag mich nächste Woche nochmal.

Das Auerworld wird volljährig – in den letzten Jahren hat es seinen eigenen Stil gefunden, lebt nachhaltig und nah an der Natur und hat immer mehr Freunde und Unterstützer.
Wo soll die Reise denn in den nächsten Jahren hingehen?

Wünsche haben wir diesbezüglich viele. Ideen tauchen immer wieder auf. Leider ist nichts davon spruchreif. Also kann ich dazu noch nichts sagen. Bisher ist es so wie es ist erst einmal gut und wir arbeiten jedes Jahr daran, dass es noch ein Stück besser wird. Dabei freuen wir uns auch auf Input seitens der Festivalbesucher*innen. Wenn ihr also merkt, dass es irgendwo hakt oder ihr euch etwas Anderes wünscht, dann immer raus damit. Wir sind für Anregungen immer offen.

Was ich mich schon immer gefragt habe: wer baut eigentlich eure grandiosen Duschen?

Die baut der Martin. Haha. Das hilft Dir jetzt vermutlich nicht so viel. Aber ich kann Dir nur eines raten: Sei mal beim Aufbau dabei, dann lernst Du den Künstler kennen 🙂

Hast du noch einen ultimativen Tipp für alle Festivalbesucher?

Lasst Eure Handys zuhause und schaltet mal richtig ab. Empfang gibt es sowieso so gut wie gar nicht und egal was draußen passiert, das spielt dort eh keine Rolle.

Und die letzte, alles entscheidende Frage: wer mit euch Geburtstag feiern möchte, hat er die Chance, noch Karten zu erhalten?

Von uns leider nicht. Das Auerworld Festival ist ausverkauft und es gibt keine Tickets an der Abendkasse. Wer zu uns kommen möchte, sollte sich stets im Rahmen des Crowdfundings ein Ticket ergattern. Dann ist man auf der sicheren Seite.

Auf unserer Website oder in der Facebook Gruppe gibt es aber eine Ticketbörse. Hier können Gäste untereinander Tickets weiterverkaufen, wenn sie aus irgendwelchen Gründen nicht selbst am Festival teilnehmen können. Es versteht sich von selbst, dass Tickets nur zum Originalpreis verkauft werden.

Außerdem haben wir dieses Jahr eine Kooperation mit der Toskana Therme Bad Sulza, die für Neugierige aus der Region noch 20 Tickets an der Thermenkasse verkauft.

 

Liebe Tina,
vielen Dank für das tolle Interview!
Ich bin schon sehr gespannt auf das Auerworld Festival 2016 🙂

www.auerworld-festival.de

 

Update 28.07.2016

Leider hat mich heute eine sehr traurige Meldung erreicht…aufgrund der starken Regenfälle der letzten Tage musste das Auerworld Festival abgesagt werden.

Ich kann es noch gar nicht richtig fassen, kann die Entscheidung der Veranstalter aber nachvollziehen und drücke die Daumen, dass bei der weiteren Abwicklung alles gut läuft!

 

PS: Meine Bildergalerie von 2015 findest du auch auf dem Blog! 🙂

2 Kommentare zu “Interview: 18 Jahre Auerworld Festival – das Kleine wird volljährig

  1. Meine Blogparade – „Dein FestivalSommer“ | julie travels

    […] das Auerworld Festival, über das ich im Rahmen meiner Blogparade gern schreiben wollte, ist aufgrund des Wetters […]

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  2. Auerworld Festival vom 29. - 31. Juli | Orangenfalter

    […] Wie wurde aus einer Idee ein Festival? Welche Entwicklungen gab es seit dem? Und wie wird das Ganze jedes Jahr auf’s Neue finanziert und realisiert? Die spannenden Antworten auf diese Fragen gibt die Verantwortliche der Öffentlichkeits- und Pressearbeit des Auerworld Vereins in diesem Interview. […]

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